Brustkrebsscreening: Gehört der MRT die Zukunft?

Ist die Mammographie wirklich die beste Methode zur Früherkennung von Brustkrebs? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein vor kurzem erschienener Artikel in der Zeitschrift „Healthcare-in-europe.com*“.

Trotz seiner guten Erfolge gerät das Mammographie-Screening immer wieder in die Kritik. Einerseits, weil es Tumore aufspürt, die prognostisch irrelevant sind, also Überdiagnosen verursacht. Andererseits, weil es längst nicht alle Tumore anzeigt, die von Bedeutung sind, also zu Unterdiagnosen führt. „20 bis 30 Prozent aller Mammakarzinome, die bei Frauen gefunden werden, die an der Vorsorge teilnehmen, werden nicht Mammographie-Screening aufgedeckt, sondern im Intervall“, sagt Frau Prof. Kuhl. „Solche Intervallkarzinome sind im Grunde nichts anderes als die gescheiterte Früherkennung von schnellwachsenden – also mutmaßlich prognostisch relevanten – Mammakarzinomen.“

Ursache für Unterdiagnostik kann nicht nur die Röntgendichte des Brustdrüsengewebes sein, sondern auch die Tumorbiologie. Da die Detektion des Mammakarzinoms in der Mammographie auf der Abbildung von Architekturstörungen, Mikrokalk und Spikulierungen basiert, lassen sich damit besonders gut luminale, also weniger aggressive Mammakarzinome darstellen, während biologisch aggressive Tumortypen in der Röntgenbildgebung aussehen können wie gutartige Veränderungen, z.B. Zysten oder Fibroadenome.

Prognosen verbessern mit der MRT

„Wir brauchen eine Früherkennungsmethode, die ein Empfindlichkeitsprofil bietet, das dem onkologischen Bedarf wirklich entspricht und die Krebsherde findet, die prognostisch relevant sind“, fordert Kuhl daher. Dass die MRT genau diese Kriterien erfüllt, hat die Radiologin als Leiterin der multizentrischen EVA-Studie gezeigt. Dabei wurde die Leistungsfähigkeit verschiedener bildgebender Verfahren für die Brustkrebsfrüherkennung bei Frauen mit erhöhtem familiärem Risiko verglichen. Mit dem Ergebnis, dass die MRT die höchste Trefferquote an gefundenen Tumoren zu verzeichnen hatte und die Intervallkarzinomrate sogar bei Null lag.

Christiane Kuhl hat dafür eine einfache Erklärung: „Wenn wir die MRT zur Brustkrebsfrüherkennung einsetzen und dabei Kontrastmittel geben, machen wir nichts anderes, als die Angiogenese und Protease-Aktivität darzustellen: Gewebsveränderungen, die direkt mit Karzinogenese, mit Zellproliferation und metastatischem Wachstum korrelieren. Damit steht die MRT im Vergleich zur Mammographie quasi am anderen Ende des Empfindlichkeitsprofilspektrums. Oder anders ausgedrückt: Je biologisch aggressiver ein Mammakarzinom ist, desto zuverlässiger wird es MR-tomographisch detektiert.“

„Die Ergebnisse der Studie von Frau Prof. Kuhl bescheinigen, dass die Mamma-MRT eine exzellente Methode zur Erkennung von Brustkrebs ist“ sagen Dr. Ulrich Mädler und Priv.-Doz. Dr. Holger Hetterich, zwei auf die Mammadiagnostik spezialisierte Ärzte aus dem Radiologischen Zentrum Rosenheim. Von der Mamma-MRT profitiert in erster Linie die Patientin. Bei dieser röntgenfreien Untersuchungsmethode können nicht nur sehr kleine Tumorherde in den Brüsten erkannt werden, sondern die genaue Lage des Tumors in Bezug zu den benachbarten Strukturen und der Brustwand kann beurteilt werden was die weitere Therapieplanung erleichtert. Zudem können oft auch weitere Tumorherde entdeckt werden so dass auch diese behandelt werden können.

Das Radiologische Zentrum Rosenheim hat mehrere auf die Mamma-MRT spezialisierte und von der KVB (Kassenärztliche Vereinigung Bayern) zertifizierte Befunder und führt jährlich über 500 Mamma-MRTs durch. Die Befundung erfolgt dabei aus Qualitätssicherungsgründen in unserer Praxis immer gemeinsam durch zwei erfahrene Radiologen im 4-Augen-Prinzip.

*Link: https://healthcare-in-europe.com/de/news/brustkrebsscreening-gehoert-der-verkuerzten-mrt-die-zukunft.html#